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PS:

Schreiben heisst: die Flüchtigkeit der Gedanken einfrieren,
auf dass sie geteilt werden können.


Eitelkeit kommt nie aus der Mode.
Genauso wenig wie jeder andere Luxus.

Fortschritt, egal welcher Art,
wurzelt immer in einer Utopie.
Das wird allzu leicht vergessen.

Wer auf Prinzipien reitet
kommt nirgendwo hin,
denn Prinzipien sind nichts als Zaunpfähle.

Meschen, die es nicht für nötig erachten,
in der Pflicht ein Mass an Würde zu behalten,
sind bedauernswerte Kleingeister.

Jede Wissenschaft
wird stets an ihren philanthropischen Bestrebungen gemessen.
Deshalb ist jede Wissenschaft
immer auch politisch.

Wer glaubt,
er könne für jemand anders denken,
kann geradeso gut versuchen
für jemand anders zu trinken.

Im Gegensatz zum Selbstbewusstsein
hilft Selbstvertrauen
gegen jede Art von Demütigung.

Begierde und Traum unterscheiden sich
wie ein Hausbrand von einem Feuer im Kamin.

Kritik ohne jede Billigung der Person
ist nichts als Polemik.

Der Unterschied zwischen einer Erkenntnis und einer Weisheit
liegt in der Gültigkeit.
Eine Erkenntnis ist rein persönlich.
Eine Weisheit ist dagegen allgemeingültig.

Es heisst, Vorfreude sei die schönste Freude.
Ist demnach die Vorsorge die schlimmste Sorge?

Eine Pflicht bewusst zu missachten
und Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen,
ist immer noch besser,
als sich zu langweilen.

Enthusiasten und Skeptiker haben eines gemein:
Sie stehen in der Evolution
am weitesten vom Primaten entfernt.

Vernunft ist kein Heilmittel gegen Gewalt.

Vernunft liefert lediglich Argumente,
um Gewalt zu entschärfen. 

Wenn alle einverstanden sind,
haben mit Sicherheit einige nicht alles verstanden.

Schreiben ist anstrengend,
Lesen genauso.
Das sind ausreichend viele Gründe,
jedes unnötige Wort zu vermeiden.

Mut ebnet, Vorsorge verlängert und Angst verbaut
den Weg zum Glücklichsein.

Gerechtigkeit steht über der Gnade.

Die Vernunft ist die Mutter der Philosophie
und die Tochter der Erfahrung.

Mit der Scham lässt sich nichts entschuldigen,
aber vieles begründen.

Dogmatiker glauben zu wissen,
was die Welt zusammenhält.
Moralisten glauben zu wissen,
was sie zersetzt.

Wir denken in Bildern und reden in Worten.
Kein Wunder, sind Missverständnisse die Regel.

Floskeln haben etwas frevelhaftes.
Genau wie Plastikblumen.

Ideologien sind Inseln ohne Schifflände.
Bildung heisst in diesem Fall,
lernen, sein eigenes Boot zu bauen.

Ich versuche so zu leben,
dass der Schatten am Morgen vor mir
und am Abend hinter mir liegt.

Selbstachtung ist nicht angeboren.
Sie muss erarbeitet, gepflegt und sorgsam behütet werden,
denn sie ist verletzlich wie eine Mimose.

Eitelkeit und Scham
wurzeln tief im Menschen.
Tiefer als der Ehrgeiz.

Begabung ist die Kunst,
sein eigenes Talent nutzbar zu machen.

Den Himmel stelle ich mir als eine Recyclinghalle vor,
wo die Seelen sortiert und zur Wiedergeburt aufbereitet werden.

Das Nichts existiert zumindest als Wort.

Worin besteht der Unterschied zwischen Verpflichtung und Verantwortung?
Verpflichtung orientiert sich am Gewissen.
Verantwortung orientiert sich an der zu erwartenden Konsequenz.

Ich habe nichts gegen eine Zensur,
solange sie sich nur um Handbücher für Kriegsführung kümmert.

Keinen Plan zu haben,
ist auch eine Art von Freiheit.

Steckenpferde sind keine Herdentiere.
Sie machen ihre Halter*innen zu welchen.

Die Vergangenheit wird laufend grösser,
die Zukunft deswegen nicht kleiner.
Das allein beweist:
Zeit ist eine Erfindung der Menschen.

Toleranz wächst aus der Harmonie
zwischen Herz und Verstand.

Beharrlichkeit ist die Kunst,
ausschliesslich den widrigen Umständen zu trotzen.

Gibt es eine beschämendere Form der Lächerlichkeit,
als die Erkenntnis,
unnötig in Zorn geraten zu sein?

Was bremst einen Schöngeist wirkungsvoller,
als eine banale Frage?

Geduld setzt Vertrauen voraus,
Vertrauen ins sich selbst.

Je mehr ich begreife,
desto stärker bin ich ergriffen.

Ein Treppenwitz bleibt ein Treppenwitz,
auch wenn er auf der Kirchentreppe erzählt wird.

Auch wer in Geld schwimmt,
hat Angst vor dem Ertrinken.

Nur wo eine Idee auf Mut trifft,
kann etwas entstehen.

Die Natur ist weder ungerecht noch gerecht.
Darauf gründet mein Optimismus.

Könnten wir Gleichgültigkeit verordnen,
hätten wir ein Mittel, um Kriege zu verhindern.

Worin unterscheidet sich der Mensch vom Tier?
Ein Mensch sieht beispielsweise in einem Löwen auch das Majestätische.
Ich denke, eine Antilope hat dafür kein Verständnis.

Ratschläge machen einen Leidensweg erst recht zur Qual.

Mit einem Seufzer sprengt man keine Ketten,
mit Tränen löscht man kein brennendes Haus,
allein mit den Händen gräbt man keinen Brunnen.

Kunst darf vieles, bloss nicht den Anschein erwecken,
sie sei durch mühsame Plackerei entstanden.

Melancholie ist das Netz,
in das man fällt,
wenn man von der Schwerkraft der Reue erfasst wird.

Kunst ist überflüssig.
Aber sie gestaltet sich so,
dass sie für essentiell gehalten wird.

In der Kunst überdauert der Geist eines Menschen den Tod am redlichsten.

Wer wachsen will,
mache seine Feinde zu Konkurrenten.

Wäre die Seele eine Pflanze,
wäre Lob das Wasser,
Kritik der Dünger
und Heuchelei das Gift.

Es ist die Vergänglichkeit,
die den Verstand zur Selbsttäuschung zwingt.

Leben verlangt Gefühl und Verstand.
Sterben kann jede und jeder.

Das Gegenteil einer Depression
ist weder die Lebensfreude noch die Zuversicht.
Es ist die Begierde.
Das macht es so schwierig.

Jedes Gedächtnis neigt dazu,
Stoff zu liefern,
dank dem wir uns bedauern.

Wer sich auf seine Ausbildung etwas einbildet,
hat sie nicht verdient.

Kaum etwas beflügelt die Fantasie mehr,
als die Notwendigkeit zu einer Ausrede.

Langeweile und Ignoranz sind Zwillinge.

Gib dem Wünschelrutengänger kein Bier,
bevor er Wasser gefunden hat.

Ich bin weder ein Zweifler, noch ein Grübler.
Ich mag nicht in der Asche zu stochern.

Wenn der Mann im Mond lesen könnte,
gäbe es hinterm Mond Bücher statt Deppen.

Ich kann mir eine geistige Dürre schlecht vorstellen.
Etwas, das nie geblüht hat, kann nicht verdorren,
und etwas, das geblüht hat,
geht mit Samen in den Herbst.

Trifft ein Gerücht auf ein Gerücht,
spricht man von Tratsch.

Satire ist gekränkte Ironie,
Sarkasmus ist kranke Ironie.

Stil hat nichts mit der Form zu tun;
Stil lässt sich weder dehnen noch stutzen.
Stil entsteht durch das Schleifen und Striegeln eines Textes.

Optimisten übersehen das Unkraut im Garten.
Pessimisten die Blumen und das Gemüse.


Anmassung wächst nicht selten
auf dem Platz der fehlenden Einsicht.

Zögern ist gut,
warten ist besser.

Verachtung ist erkalteter Hass.

Null und Nichts sind nicht dasselbe.

Ein jedes Volk hat eine Seele, aber kein Herz.
Es kann in Zorn geraten und verzeihen,
kennt aber weder Dankbarkeit noch Verantwortung.

Verletzungen an der Seele sind schwer zu orten,
aber leicht zu treffen.


Macht und Mut stehen sich diametral gegenüber.
Macht und Feigheit stehen in derselben Ecke.

Wer eine Erleuchtung erfährt,
muss davon berichten,
denn von aussen betrachtet,
gleicht sie der Einbildung.

Eine Aphorisme ist nichts weiter
als das Gegenteil einer Ausrede.